
Heimat
Einige Gedanken zu diesem zentralen Begriff in unserem Vereinsnamen…

Karl-August Valk ist Borghorster und fühlt sich dort [als Steinfurter) mit den Menschen und Vereinen verbunden.
Er war als Lehrer und Abteilungsleiter des Beruflichen Gymnasiums an den Technischen Schulen Steinfurt tätig.
Er ist derzeit zweiter Vorsitzender des Heimatverein Borghorst und engagiert sich unter anderem für den Förderverein Bagno Konzertgalerie.
Heimat – ein verstaubter Begriff?
Woran denken Sie, wenn Sie das Wort „Heimat" hören?
Assoziieren Sie damit auch Gedanken an etwas Altmodisches, eine verstaubte Idee von Paohlbürgern, die sich nur auf ihre Scholle besinnen und nichts von der Welt ringsherum mitbekommen?
Oder ist die Heimat für Sie auch ein verlässlicher Ort von Sicherheit und von Vertrauen? Als Mitglied im hiesigen Heimatverein kommen mir manchmal Gedanken über diesen Begriff in unserem Vereinsnamen.
Ist Heimat vielleicht ganz wichtig für uns alle? Sicherlich gibt es heute (auch politische) Strömungen, die sich Heimat zunutze machen, um sich abzuschotten und nur die Vorteile für sich und das eigene Land sehen. Heimatschutz etwa suggeriert die mögliche Bedrohung unseres Lebensraumes durch feindliche Gruppen.
Und leider wurde und wird das Ziel der Heimatbewahrung auch gerne von rechtsextremen Bewegungen vereinnahmt, die damit Schreckensvisionen einer Überfremdung suggerieren.
Dabei hat Heimat doch auch in der Politik längst seine positiven Auswirkungen gezeigt, wenn es, wie jüngst in Kanada, gilt, sich von feindlicher Übernahme abzugrenzen und eigene Werte hochzuhalten.
Und auch in Deutschland haben wir längst erkannt, wie wichtig für uns die Bewahrung unseres Landes und unseres Lebensraums ist.
Auf Bundesebene und im Land NRW haben wir z.B. ein eigenes Heimatministerium das jeweils mit vielen Projekten die regionale Identität und Gemeinschaft stärkt. Auch die Heimatbunde auf Bezirks- und Kreisebene entwickeln diese Tradition weiter.
Vor allem aber ist Heimat für mich auch ein wichtiger Ort der Verlässlichkeit im lokalen oder familiären Bereich (.... der Ort, an dem es mir gut geht") - er meint also nicht nur den Ort (,my home is my castle"), sondern auch den emotionalen Bezugspunkt:
Hier habe ich meine Basis, bin verwurzelt und geerdet in einer (Werte-) Gemeinschaft, in meinem Land, in meiner Sprache, im vertrauten Kontext.
Wie schwer mag es für Menschen mit Migrationshintergrund sein, die sich nach ihrer ursprünglichen Heimat nun (hier) fern von ihrem Geburtsort ihre zweite aneignen müssen? Wie wichtig wird ihnen die neue sein angesichts der bedrohlichen Lage in der alten?
Vielleicht können wir da auch von ihnen lernen: Bei allem Bemühen um das Wurzelwerk der eigenen Identität gleichzeitig offen zu sein für die Welt und für die Begegnung mit dem Fremden ringsum.
Mehrere Gruppen Geflüchteter habe ich bei der Führung durch unsere Ausstellung über Lokalgeschichte im Heimathaus sehr interessiert erlebt.
Ob wir nicht einen solchen modernen Heimatbegriff leben können, in dem auch Zugereiste eine zweite Heimat finden und in dem eine vielfältige Gesellschaftskultur möglich ist?
Es wäre wichtig genug - gerade heute!
Der Borghorster (genau wie der Burgsteinfurter) Heimatverein versteht sich als Bewahrer der lokalen Geschichte und Kultur und trägt damit zur Identität des Ortes bei. Vor allem aber bieten beide Vereine viele Aktivitäten an, bei denen Austausch, Fahrten, Gemeinschaft und kreative Projekte angesagt sind.
Auch die Auseinandersetzung mit (zukünftigen) gesellschaftlichen Prozessen gehen wir an. Wir wollen weltoffen sein und zukunftsgewandt Verantwortung übernehmen.
Zur Teilnahme an unseren Veranstaltungen laden wir herzlich ein. Schauen Sie mal vorbei!
Karl-August Valk, Heimatverein Borghorst e.V.
Quelle: „Der Steinfurter“, Autor: Karl-August Valk, Titel: Heimat – ein verstaubter Begriff? / Ausgabe 6/2025